FUGATUS

Flüchtlingsgovernance und Wissenstransfer

Kooperation von Stadtverwaltungen mit Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft

Das Projekt FUGATUS analysiert das Flüchtlingsmanagement der öffentlichen Verwaltung und untersucht Innovationen, Netzwerke sowie Kooperationen, die sich zwischen Verwaltung, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft entwickelt haben.

FUGATUS-Team: Prof. Dr. Michael W. Bauer, Prof. Dr. Rahel Schomaker, Prof. Dr. Constanze Janda, Jana Otto, M.A., Veronika Ruf, M.A.

Die groß angelegte Studie zum kommunalen Flüchtlingsmanagement und den Herausforderungen der gestiegenen Fluchtmigration in den Jahren 2015 bis 2017 wurde ausgewertet. Ein erster deskriptiver Werkstattbericht, der die Ergebnisse übersichtlich darstellt, finden Sie hier https://www.witi-innovation.de/fugatus-werkstattbericht/. Weitere Publikationen sind in Arbeit.

Im Zuge einiger globaler Konflikte sind zahlreiche Menschen nach Deutschland geflüchtet. Um diesen Entwicklungen gerecht zu werden, bedarf es eines gelungenen, kommunalen Flüchtlingsmanagements. Hier knüpft das Projekt FUGATUS an: Die Versorgung und Integration von Geflüchteten stellen den öffentlichen Sektor vor große Herausforderungen. Um diesen gerecht zu werden, muss sich die Verwaltung innovieren und in vielen Bereichen umdenken.

Die Verwaltung kann die Aufgabe der Integration nur schwer alleine meistern. Die Zivilgesellschaft, im Besonderen ehrenamtliche Helfer, haben hierbei eine unentbehrliche Bedeutung. Daher liegt das Augenmerk des Projektes auf der Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und unterschiedlichen Verwaltungseinheiten.

FUGATUS lenkt den Blick zudem auf die Prozesse innerhalb der Verwaltung: So werden die institutionellen und prozessualen Veränderungen von Netzwerken und Kooperationen zwischen Verwaltung, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft analysiert. Es wird untersucht, wie die Kooperationen entstanden sind und welche Praktiken sich bewährt haben. Daneben soll das Transferpotenzial sozialer Innovationen analysiert und Erkenntnisse daraus zur Verfügung gestellt werden.

 

  • offen strukturierte Experteninterviews
  • ein darauf aufbauendes Onlinesurvey
  • detaillierte Fallanalysen in den Partnerkommunen

Praxispartner von FUGATUS sind das Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt (AMKA), die Stadtverwaltung Speyer sowie die Stadtverwaltung Viernheim. Gemeinsam mit den Praxispartnern wird der Transfer zwischen Wissenschaft und Gesellschaft geplant und umgesetzt.

Da im Rahmen des Projekts der Transfer zwischen Gesellschaft und Wissenschaft eine wichtige Rolle spielt, ist die Einbindung der Praxispartner von hoher Bedeutung. Hierfür sind Praktikerworkshops und Innovation-Labs geplant. Diese Veranstaltungen sollen die Möglichkeit geben, sich auszutauschen, sowie innovative Herangehensweisen und bewährte Methoden anderer Kommunen kennenzulernen. Der Verlauf des Projekt stellt sich wie folgt dar:

 

  • Literaturanalyse und Informationsgenerierung durch Praxispartner
  • Durchführung von semi-strukturierten Interviews
  • Entwicklung eines Surveydesigns
  • 1. Lab-Event
  • Durchführung des Surveys und komparative Analyse bestehender Konzepte
  • Bewertung der Konzepte und Veränderungen
  • Durchführung detaillierter Fallanalysen in den Partnerkommunen
  • 2. Lab-Event
  • Analyse der Praktiken und Strukturen
  • Evaluation und Publikation der Ergebnisse

FUGATUS ist ein Teilprojekt des Projektes zum „Wissens- und Ideentransfer für Innovationen in der öffentlichen Verwaltung (WITI)“ der Deutschen Universität für Verwaltungs­wissenschaften Speyer im Rahmen der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ und wird durch das BMBF und die GWK seit Januar 2018 gefördert. Das Projekt hat eine Laufzeit von vier Jahren.

Mehrwert für Wissenschaft und Praxis

Mit der Schaffung eines aktiven Forums zum Austausch der Praxispartner untereinander in Bezug auf bewährte Praktiken in den Kommunen, geht ihre dauerhafte Vernetzung – auch über die vier Jahre der Projektlaufzeit hinaus – einher. Von den umfangreichen Erkenntnissen der Arbeit des FUGATUS-Projekts können dabei auch Dritte profitieren. Von Bedeutung in diesem Zusammenhang sind dabei nicht zuletzt die Ergebnisse der Lab-Events und Fallanalysen. Daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen dienen nicht nur der kommunalen Ebene als Leitfaden zur Ausrichtung ihrer Arbeit, sondern bieten zudem Gelegenheit zu weiterer wissenschaftlicher Beschäftigung.

 

Alle Informationen finden Sie auch kompakt zusammengefasst im FUGATUS Infoblatt.

Erste Ergebnisse der großangelegten Studie zu kommunalem Flüchtlingsmanagement

Im Rahmen des Projekts FUGATUS wurden Mitarbeiter*innen deutscher Kommunalverwaltungen zur Situation während und nach der gestiegenen Fluchtmigration seit Sommer 2015 befragt.  Trotz vermehrter personeller Maßnahmen wie Einstellungen und Arbeitszeitaufstockungen bestand im Sommer 2015 und den Monaten danach eine starke Arbeitsbelastung der Mitarbeiter*innen. Jedoch überwiegt die Einschätzung, dass die Herausforderungen gut gemeistert wurden. Die Befragten berichten von einer starken organisatorischen Anpassungsfähigkeit in ihren Behörden, auch wurden gängige Empfehlungen zur kommunalen Integrationsarbeit mehrheitlich umgesetzt. Vernetzungen wurden stark vorangetrieben, wobei die Zusammenarbeit nach mehrheitlicher Einschätzung am besten funktioniert, wenn sie formal organisiert wird mit klaren Zuständigkeiten sowie der Einbindung mehrerer Personen und der Leitung. Die behördeninterne Zusammenarbeit wird überwiegend als gut beschrieben. Die bedeutende Rolle von Ehrenamtlichen bei der Bewältigung der Situation sticht heraus. Wissensmanagement in Form von Dokumentationen ist noch nicht selbstverständlich, überwiegend aus Zeitmangel. Wenn Dokumentationen existieren, können andere allerdings bei der Mehrheit der Befragten darauf zugreifen. Auch ist das Personal mit der Expertise zur Fluchtmigration häufig noch in der Behörde und könnte bei Bedarf reaktiviert werden. Die meisten Befragten beschreiben sich als offen und empathisch gegenüber Geflüchteten und sind der Meinung, dass sowohl sie als auch ihre Behörde aufgeschlossener geworden sind.

Empfehlungen für die Praxis

Basierend auf der Befragung werden einige Empfehlungen für die Arbeit in Kommunalverwaltungen abgeleitet. Die Empfehlungen sollten nicht losgelöst voneinander betrachtet werden, vielmehr ergänzen sie einander und führen in der Kombination zum Ziel.

a) Wissensmanagement etablieren Wissensmanagement im Sinne der Dokumentation von Arbeitsprozessen, Organisation und Zuständigkeiten wird häufig schon digital organisiert, sodass andere Mitarbeiter*innen darauf zugreifen können. Dies ist optimal, da neue Mitarbeiter*innen nicht erst neue Wege ausprobieren müssen, sondern von Erfahrungen, die bereits in der Behörde gemacht wurden, profitieren und lernen können. Auch der Arbeitgeber steht hier in der Pflicht, eine Kultur des Wissensmanagement zu fördern.

b) Kooperationen formalisieren Netzwerke einzelner Personen sind eine gute Basis um Kooperationen zu initiieren, jedoch sollte eine Zusammenarbeit nicht auf Dauer an einzelne Personen gebunden sein. Klare Strukturen schaffen eine bessere Grundlage für eine nachhaltige Kooperation. Rein informelle Kontakte bergen die Gefahr, dass die Kooperation abbricht, wenn eine Person die betreffende Einrichtung verlässt. In der Zusammenarbeit mit Externen sowie mit anderen Ämtern sollte daher darauf geachtet werden, dass es auf beiden Seiten klare Zuständigkeiten gibt und mehrere Personen sowie die Leitungen der jeweiligen Stellen in die Zusammenarbeit involviert sind

c) Flexibilität in den Arbeitsbereichen ermöglichen Durch die Aufgabe der Integration von Geflüchteten sowie die nach wie vor angespannte Lage in den Krisengebieten und an der europäischen Grenze ist die Handlungsfähigkeit von Kommunen im Bereich Flucht und Integration immer noch wichtig. Um Mitarbeiter*innen, die Expertise auf diesem Gebiet gewonnen haben, auch in Zeiten, in denen das Arbeitspensum geringer ist, halten zu können, sollten Arbeitsbereiche flexibler organisiert oder Doppelzuständigkeiten vergeben werden.

d) Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen stärken und koordinieren Ehrenamtliche haben in der Betreuung und Versorgung von Geflüchteten seit dem Anstieg der Fluchtmigration eine wichtige Rolle gespielt. Die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und Kommunalverwaltung sollte sich im Idealfall ergänzen und gegenseitige Unterstützung bieten. Wichtig dabei ist, dass Ehrenamtliche wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie sich engagieren möchten oder wenn ihre Möglichkeiten zur Unterstützung ausgeschöpft sind. Zuständigkeiten in der Verwaltung sollten hierfür klar kommuniziert werden.

e) Integrationsarbeit in einer Einheit bündeln Die Empfehlung, Integrationsarbeit in einer Einheit zu bündeln, ist nicht neu. Was in den Antworten der Befragung heraussticht ist allerdings, dass dies nach Umsetzung bei fast allen Befragten fortgeführt wird und bei ca. 80% sehr gut oder gut funktioniert. Die Integrationsarbeit in den Kommunen umfasst zahlreiche Bereiche des täglichen Lebens, sodass Überschneidungspunkte mit Zuständigen in der Kommunalverwaltung bestehen. Durch die Bündelung von Informationen in einer Organisationseinheit können Synergieeffekte zwischen den verschiedenen Bereichen gefördert und Herangehensweisen vereinheitlicht werden.

f) Mitarbeiter*innen in der Entwicklung von Ideen fördern Außergewöhnliche Situationen fördern häufig neue Denkweisen. Ein pragmatischer Umgang mit kreativen Lösungen und die Offenheit seitens der Vorgesetzten gegenüber solchen Ideen kann die Arbeitskultur in der Behörde nachhaltig beeinflussen. Aus Notsituationen können Innovationen entstehen, die auch in anderen Bereichen der Verwaltung Anwendung finden könnten.

Ausführliche Informationen finden Sie im Werkstattbericht.

FUGATUS untersucht die aktuellen Herausforderungen der Kommunen in der COVID-19-Pandemie

Das Teilprojekt FUGATUS beschäftigt sich mit den kommunalen Herausforderungen der gestiegenen Fluchtmigration zwischen 2015 und 2017 und den daraus entstandenen innovativen Ansätzen.

Die Arbeitsbereiche und Umstände sind nicht die gleichen, die aktuelle Situation derzeit ist jedoch ebenfalls eine große Herausforderung für die Kommunen und erfordert innovatives Handeln. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, die aktuelle kommunale Situation in der COVID-19-Pandemie und deren Handeln zu untersuchen und Verbindungen zur „Flüchtlingskrise“ zu suchen. Durch die Forschung im Zusammenhang mit COVID-19 bekommen wir zudem die Möglichkeit, unseren Blick auf das Handeln von Kommunalverwaltungen in Krisenzeiten weiter zu vertiefen. Auch werden dadurch komparative Analysen im Bereich der Krisen ermöglicht.

Erste Ergebnisse umfassender Umfragen zu Beginn der COVID-19-Pandemie finden Sie in:

Weitere Veröffentlichungen zu den kommunalen Herausforderungen der COVID-19-Pandemie sind in Arbeit.

 

 

Praktiker-Workshop am 19.02.2019 in Heidelberg

Am Dienstag, den 19. Februar 2019 hat das FUGATUS-Team in Kooperation mit dem Projekt Transfer Together der Pädagogischen Hochschule Heidelberg einen Workshop in den neuen Räumlichkeiten des Transfer Together-Projekts durchgeführt. Zum Thema „Wissensmanagement in der Integrationsbegleitung von Geflüchteten“ fanden sich 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ehrenamt und kommunaler Praxis ein, um von 10:00 bis 17:00 Uhr Neues zu lernen, Bekanntes zu festigen und spannende Fragen zum Wissensmanagement zu diskutieren.

Der Referent Professor Jürgen Stember (Hochschule Harz) erörterte Theorie, Aufgaben und Ziele des Wissensmanagements. Zudem wurden methodische Grundlagen erarbeitet und Möglichkeiten zur Nutzung von Wissensmanagementmodulen im Alltag der Workshopteilnehmenden erörtert. In kleinen Gruppen wurden von den Teilnehmenden konkrete Handlungsfelder erarbeitet. Professorin Rahel Schomaker, Veronika Ruf und Jana Pöhler (FUGATUS-Team) begleiteten den Workshop und moderierten die Gruppen.

Bei einem zweiten Workshop am 25.06.2019 im neuen Innovationslabor des WITI-Projekts werden die Erkenntnisse zum Wissensmanagement weiter vertieft. Informationen zur Anmeldung finden sich auf der WITI-Homepage.

Erstes Lab-Event am 25.06.2019 an der Universität Speyer

 Am 25. Juni 2019 fand das erste Lab-Event im Rahmen des WITI-Teilprojekt FUGATUS an der Universität Speyer statt. Wie beim vorhergehenden Praktiker-Workshop in Heidelberg fand das Lab-Event in Kooperation mit dem Projekt Transfer Together der Pädagogischen Hochschule Heidelberg statt. Es haben Teilnehmende aus unterschiedlichen Einrichtungen, die mit Geflüchteten arbeiten, teilgenommen. Die Mischung aus Mitarbeitenden von Stadtverwaltungen, Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen führte zu spannenden Gesprächen und einem regen Austausch.

 

 

 

 

Nach einem kurzen Rückblick zum Praktiker-Workshop „Wissensmanagement in der Integrationsbegleitung von Geflüchteten“ und einem interaktiven Erfahrungsaustausch zum Einsatz von Wissensmanagement, folgte ein Impulsvortrag von Adrian Krzeminski (Referent der Metropolregion Rhein Neckar GmbH) zum „praktischen Prozessmanagement“. Anschließend haben die Teilnehmenden bei vier Thementischen im Rahmen eines World Cafés erarbeitet, wie Wissen für die Weitergabe zusammengestellt werden kann. Zudem haben sie Methoden, Standardprozesse und digitale Hilfen des Wissensmanagements kennengelernt.

Praktiker-Workshop im AMKA am 12.12.19

 

Am Donnerstag, 12. Dezember 2019 fand ein Praktiker-Workshop im Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt im Rahmen des FUGATUS-Projekts statt. Nach einer innovativen Vorstellungsrunde stellten Professor Bauer und Jana Pöhler die Fortschritte des FUGATUS-Projekts vor.

Schwerpunkt des Workshops war der inhaltliche Input von Dr. Markus Engler, Migrationsforscher und Berater aus Berlin. Thema war “Aktive Flüchtlingsaufnahmepolitiken – Ziele, Zahlen, Programme und Akteure”. Zu Beginn ging Herr Engler auf den Hintergrund des globalen Flüchtlingsschutzes ein. Obwohl die Flüchtlingszahlen weltweit steigen, ist die Zahl der Migranten im Anteil der ebenfalls steigenden Weltbevölkerung mit 3,3 % relativ konstant. Die Aufnahme ist jedoch ungleich verteilt und es gibt kaum dauerhafte Lösungen – die meisten Geflüchteten leben in prekären Situationen. Der Großteil der aktuellen Migration nach Deutschland findet aus EU-Staaten statt.

Es gibt im Gegensatz zum Asylrecht keine rechtliche verpflichtende Aufnahme über aktiven Flüchtlingsaufnahmepolitiken. Staaten können freiwillig Geflüchtete aufnehmen über verschiedene Programme, z. B. Resettlement (dauerhafter Schutz von besonders schutzbedürftigen Geflüchteten) oder temporäre humanitäre Aufnahmeprogramme. Kommunen sind hier nicht im Fokus, da sich die Aufnahmepolitiken primär über die einzelnen Staaten oder auch Bundesländer abspielt. Es gibt jedoch auch Möglichkeiten für Kommunen, Interesse an Aufnahmen zu melden.

Die Teilnehmenden stellten einige Fragen zum Vortrag. Im Anschluss fand eine angeregte Diskussion über die Rolle Frankfurts in diesem Bereich statt. Hier befruchtete der diverse Arbeits-Hintergrund der Teilnehmenden das Gespräch besonders. Kommunen können sich auch in anderen Bereichen stärker einsetzen, beispielsweise für Geflüchtete, die schon in Deutschland leben. Frankfurt als multikulturelle Stadt mit hohem Migrantenanteil hat Kapazitäten geschaffen, besonders auch für vulnerable Gruppen Unterstützung zu leisten. Diese könnten weiter ausgebaut werden, bis die Bereitschaft zur Teilnahme an humanitären Aufnahmeprogrammen gewachsen ist.

Die Gespräche wurden auch noch während des anschließenden Caterings weitergeführt.